Durch Familienaufstellungen wieder in die weibliche Kraft kommen

Wie du deine weibliche Kraft stärker leben kannst

Weibliche Kraft leben – ein Thema, was häufig Teil meiner Arbeit in den Familienaufstellungen ist. Wenn wir in der Sitzung das Thema Weiblichkeit durch Figuren als Stellvertreter aufstellen, frage ich meine Klient*innen: Ist die Weiblichkeit männlich, weiblich oder Kind? Es ist nämlich gar nicht davon auszugehen, dass die weibliche Kraft auch weiblich ist. 

Wenn Du eine Figur für deine Weiblichkeit auswählen müsstest: Ist diese männlich, weiblich oder Kind? 

Fiel es dir leicht, dir ein konkretes Bild vor Augen zu rufen oder musstest du erst einmal überlegen? Männer können ebenfalls schauen, was ihr weiblicher Anteil ist, denn sowohl Männer als auch Frauen haben beide Anteile: die weiblichen und die männlichen. Die Ausprägung der Anteile ist von einigen Faktoren abhängig, unter anderem von unserer Erziehung und Kindheitsprägung.

Attribute, die die Weiblichkeit auch aus systemischer Sicht beschreiben sind: Empfangen, Hingabe und sich Öffnen.

Hier kannst du dir die Frage stellen: Fällt es dir leicht dich hinzugeben

Was der zweite Weltkrieg für Auswirkungen hat 

Frauen haben jahrelang um ihre Rechte gekämpft und darauf können wir auch stolz sein. Ich glaube ganz fest daran, dass es diese Überkompensation erst einmal geben musste, um die eigene Stimme zu finden. Was ich allerdings oft erlebe, ist, dass Männer entwertet werden, weil so viel Leid passiert ist. Hier dürfen wir noch einmal auf den Krieg zurückblicken:

Krieg macht so vieles mit der Gesellschaft und hat auch große Auswirkungen auf Seelenebene. Die Frauen sind zuückgeblieben, waren auf der Flucht und lebten in Unsicherheit. Die Männer hingegen mussten kämpfen, töten und andere schlimme Dinge erleben. Als sie schließlich aus dem Krieg zurückkehrten, konnten sie häufig nicht mehr innerlich anwesend sein, da sie schwerwiegend traumatisiert waren. Vielleicht hast du diese innere Abwesenheit bei deinem eigenen Vater oder Großvater spüren können. Die Frauen haben als Trümmerfrauen aufgebaut, sich um die Kinder gekümmert und die Versorgung der Familie übernommen.

Was dann schließlich passierte und das sehe ich auch häufig in meinen Aufstellungen, ist: Die Frauen haben angefangen die Männer zu verachten. 

Wenn ein Mann aus dem Krieg zurückkehrte, meist innerlich abwesend und traumatisiert, saß er beispielsweise die meiste Zeit nur noch in seinem Sessel oder fing an Alkohol zu trinken, um das Gesehene zu vergessen oder wurde cholerisch und die Frauen mussten damit umgehen. Dazu kommt noch das ganze Leid, welches durch die Männer passiert ist und all das wirkte auf die Frauen und somit auf die Achtung gegenüber den Männern.

Die Achtung für den Mann übernehmen Frauen von ihren Müttern und Männer übernehmen die Achtung für die Frau bei ihren Vätern. 

Und wie soll jemand geachtet werden, der innerlich abwesend, schlecht gelaunt ist und/oder Alkohol trinkt? Genau das ist den Frauen schließlich zum Verhängnis geworden. Sie dachten, dass sie nun die männlichen Attribute erfüllen müssen, um in der Gesellschaft ihre Rechte zu erlangen. 

Vor kurzem war Weltfrauentag und ich war erschrocken darüber, dass dieser Tag unter den Feministinnen als “feministischer Kampftag” bezeichnet wird. Mir kam dann die Frage auf, für oder gegen was gekämpft wird.

Beides darf da sein: die Weiblichkeit und die Männlichkeit. Wir brauchen beides! Das eine kann ohne das andere nicht existieren. 

Ich möchte mit meinen Klient*innen und allen, die ich durch meine Arbeit erreiche davon wegkommen Männer zu entwerten und zu entmannen. Es liegt in der Natur des Mannes zu kämpfen und so würde es passieren, dass sie dafür kämpfen, sich ihre Kraft wieder zurückzuholen. Es ist somit wichtig zu verstehen, dass wir die Männer so stehen lassen dürfen. Männer und Frauen dürfen und müssen nebeneinander existieren, in ihrer Kraft und in ihren Attributen.

Ich glaube, dass die Frauen verlernt haben ihren Ursprung zu leben und die Männer ebenso, da es wenig Rollenvorbilder gibt. Wer dient als Rollenvorbild, wenn es der eigene Vater oder Opa nicht sein konnte? Oder die eigene Mutter/Großmutter? Alles kommt irgendwo her und das möchte ich dir mitgeben: Niemand ist so geboren wurden, es hat alles einen Ursprung. Das anzuerkennen kann für dich bereits ein großer Schritt sein, um in deine Kraft zu kommen. 

Darum geht es in der Aufstellungsarbeit: Dass du zurück in deine Kraft findest.

Frauen dürfen sich auch darüber bewusst werden, dass sie eine Macht haben. Lange Zeit gab es den Mythos, dass das schnellste Spermium gewinnt, doch dies konnte widerlegt werden. Die Eizelle entscheidet, welches Spermium sie reinlässt. Diese Kernmacht trägt die Frau in sich, genau so entscheidet sie darüber, ob sie empfangen möchte oder nicht.

Sofern eine Frau allerdings mit vielen männlichen Attributen agiert und lebt, kann dies zum Kampf und fehlendem Vertrauen führen. Genauso kann es auch passieren, dass sich die Frauen von ihrer inneren Kraft abtrennen.

Wie es dir gelingt mehr in die Weiblichkeit zu kommen, ohne die Männer zu entwerten

  • Du darfst im Flow sein, für dich einstehen und dir deiner urweiblichen Kraft bewusst werden, ohne den Mann zu entwerten. Prüfe für dich, wo du vielleicht Männer entwertest. 
  • Wenn die Weiblichkeit nicht verfügbar sein konnte, weil es viel Leid gab und Männer viel Angst aufgrund von schlimmen Erlebnissen im Krieg verbreitet haben, kann das einer Frau Angst machen sich auf einen Mann einzulassen. Somit fühlt es sich unsicher an, die eigene Weiblichkeit zu leben. Du darfst hier mal in dich hinein fühlen: Wie sicher ist es für dich eine Frau zu sein? Und wie sehr brauchst du diese Sicherheit? Welche Frauen in deinem Familiensystem konnten nicht sicher sein? Du darfst es dann auch bei ihnen belassen. Ein Satz, der dir gut dabei helfen kann, ist: “Es gab viel Leid durch die Männer in unserer Familie aber das Leid ist vorbei und mit eurem Segen nehme ich mir nun einen guten Mann.”
  • Ich denke, dass das und auch Entwicklungstraumatisierung einen großen Teil der Bindungslosigkeit in unserer Gesellschaft ausmacht. Vielleicht ist das auch dein Thema und du fragst dich selbst, warum du keine*n Partner*in findest. In dem Fall lohnt es sich zu schauen, wie viel Leid, ausgelöst durch die Männer, es in deinem Familiensystem gab. Einen Mann zu finden geht immer mit Hingabe einher und damit sich zu öffnen. Vielleicht gelingt es dir die Dinge bei denen zu lassen, bei denen sie geschehen sind. 
  • Es bedarf natürlich auch Übung immer wieder hinzuschauen und in deiner Kraft stehen zu bleiben.

Ich wünsche mir für dich, dass du dir deiner Kraft und auch deiner Macht, welche du in dir trägst, bewusst wirst und zu ihr stehen kannst, ohne dein Gegenüber abzuwerten. Wenn du im Einklang lebst, führt das zu innerem Frieden.

An die Männer: Der erste Kontakt, den ihr mit Frauen, somit der Weiblichkeit habt, ist mit eurer Mutter. Wenn es dir nicht gelingt deine Mutter anzuerkennen, darfst du hinschauen, wie viel Verachtung in deiner Männerlinie herrscht und woher diese kommt. 

Überprüft das für euch selbst und schreibt euch gerne ein paar Dinge auf. Ihr könnt auch mit Freunden darüber reden. Sofern euch Entwertung im Alltag begegnet, lasst es nicht einfach so stehen. Jeder trägt seinen Teil zur Heilung bei

Möge alles, was du heute gelesen hast dazu führen, dass du in den inneren Einklang und Frieden kommst und anerkennst, dass beides da sein darf.

Sonne im Herzen, deine Sophie

Du möchtest in die Folge reinhören?

Menü